Erzählen Sie etwas über sich.
Warum wird diese Frage gestellt?
Diese Frage klingt harmlos, ist aber eine der wichtigsten des gesamten Gesprächs. Interviewer nutzen sie als Türöffner: Sie wollen sehen, wie du unter leichtem Druck strukturiert kommunizierst und ob du weißt, was für diese konkrete Stelle relevant ist. Wer hier planlos in die Kindheitsjahre abtaucht oder sich verzettelt, hinterlässt einen schlechten ersten Eindruck.
Gleichzeitig beobachtet dein Gegenüber deine Körpersprache, dein Selbstbewusstsein und deinen roten Faden. Es geht nicht um deine komplette Biografie, sondern darum, ob du dich selbst klar positionieren kannst. Die Frage ist bewusst offen formuliert — das ist ein Test, wie du mit Unschärfe umgehst und Prioritäten setzt.
Auf dem DACH-Markt wird außerdem erwartet, dass du professionell bleibst und nicht in private Details abdriftest. Anders als in amerikanischen Bewerbungsgesprächen ist Small Talk über Hobbys hier eher fehl am Platz — außer sie sind direkt relevant für die Stelle.
So beantwortest du sie optimal
Die bewährteste Strategie ist die sogenannte Vergangenheit–Gegenwart–Zukunft-Struktur: Du startest mit einem kurzen Abriss deines beruflichen Werdegangs, beschreibst dann deine aktuelle Situation und erklärst schließlich, warum dich genau diese Stelle interessiert. Das gibt deiner Antwort einen klaren Spannungsbogen und zeigt, dass du vorbereitet bist.
Wichtig: Halte dich auf maximal zwei Minuten. Mehr ist selten nötig und wirkt schnell wie ein Monolog. Fang mit dem an, was für die ausgeschriebene Position am relevantesten ist — nicht mit deinem Abiturjahrgang. Zeig, dass du verstanden hast, was die Stelle verlangt, und dass dein Weg genau dorthin geführt hat.
Ein konkretes Beispiel könnte so klingen: „Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und danach drei Jahre als Projektkoordinator bei einem mittelständischen Softwareunternehmen gearbeitet. Dort habe ich vor allem gelernt, technische Anforderungen in verständliche Prozesse zu übersetzen — eine Schnittstelle, die ich sehr schätze. Seit einem Jahr leite ich kleinere Entwicklungsprojekte eigenverantwortlich und merke, dass ich zunehmend Führungsverantwortung übernehmen möchte. Deshalb bewerbe ich mich bei Ihnen: Die Position als Projektleiter bietet mir genau den nächsten logischen Schritt."
Wenn du nicht ehrlich antworten kannst
Manchmal ist die Ausgangssituation komplex — etwa nach einer längeren Pause, einer Kündigung oder einem Branchenwechsel. In solchen Fällen gilt: nicht lügen, aber auch nicht übererklären. Benenne die Situation sachlich und lenke den Fokus schnell auf das, was du daraus mitgenommen hast. Eine mögliche Formulierung: „Nach einer beruflichen Neuorientierungsphase habe ich gezielt nach Positionen gesucht, in denen ich meine Stärken in X und Y einbringen kann — und bin dabei auf Ihr Unternehmen gestoßen."
So wirkst du reflektiert statt defensiv. Vermeide es, frühere Arbeitgeber zu kritisieren oder dich zu rechtfertigen. Wer ruhig und selbstsicher mit heiklen Themen umgeht, wirkt professioneller als jemand, der perfekte Lebensläufe vortäuscht.