Nennen Sie ein Beispiel, wo Sie Eigeninitiative gezeigt haben.

Nennen Sie ein Beispiel, wo Sie Eigeninitiative gezeigt haben.

Warum wird diese Frage gestellt?

Mit dieser Frage will der Interviewer herausfinden, ob du ein Mensch bist, der wartet bis er Anweisungen bekommt – oder einer, der Probleme eigenständig erkennt und anpackt. Unternehmen suchen Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, ohne dass man ihnen ständig auf die Sprünge helfen muss. Eigeninitiative ist im DACH-Arbeitsmarkt ein besonders geschätztes Merkmal, weil flache Hierarchien und selbstorganisiertes Arbeiten immer wichtiger werden.

Hinter der Frage steckt auch eine psychologische Ebene: Der Interviewer will sehen, wie du Situationen einschätzt und ob du bereit bist, kalkulierte Risiken einzugehen. Wer nie über den eigenen Aufgabenbereich hinausschaut, bremst Teams und Projekte aus. Wer hingegen gezielt handelt, bevor ein Problem eskaliert, ist ein echter Mehrwert für jede Organisation.

Gleichzeitig prüft die Frage deine Fähigkeit zur Selbstreflexion. Kannst du eine konkrete Situation klar beschreiben, den eigenen Beitrag benennen und das Ergebnis bewerten? Das verrät mehr über deine Arbeitsweise als jede abstrakte Selbstbeschreibung.

So beantwortest du sie optimal

Nutze unbedingt die STAR-Methode: Beschreibe die Situation, die konkrete Aufgabe oder das Problem, deine eigenständige Handlung und das messbare Ergebnis. Vermeide vage Aussagen wie „Ich bin generell sehr initiativ." Das überzeugt niemanden. Eine echte Geschichte mit echten Details hingegen bleibt im Gedächtnis.

Wähle ein Beispiel, das einen spürbaren Unterschied gemacht hat – sei es eine Prozessverbesserung, eine Kundenrettung oder eine interne Initiative. Wichtig: Der Fokus muss klar auf deinem eigenen Handeln liegen, nicht auf dem Teamleistung. Du darfst Kollegen erwähnen, aber dein persönlicher Beitrag muss deutlich herausstechen.

Ein gutes Muster-Antwortbeispiel könnte so klingen: „In meiner letzten Stelle als Projektkoordinator habe ich bemerkt, dass wir immer wieder Verzögerungen hatten, weil Statusupdates zwischen den Teams nur per E-Mail ausgetauscht wurden. Niemand hatte mich darum gebeten, aber ich habe eigenständig eine einfache Vorlage in unserem Projektmanagement-Tool erstellt und dem Team vorgeschlagen, es auszuprobieren. Nach zwei Wochen haben wir die Rückfragen per E-Mail um rund 40 Prozent reduziert. Mein Vorgesetzter hat das Modell dann im gesamten Bereich eingeführt."

Wenn du nicht ehrlich antworten kannst

Falls dir auf Anhieb kein starkes Beispiel aus dem Berufsleben einfällt – zum Beispiel weil du noch wenig Erfahrung hast oder dein letzter Job kaum Spielraum für Eigeninitiative bot –, greif auf Situationen aus dem Studium, Ehrenamt oder privaten Projekten zurück. Das ist vollkommen legitim und zeigt Ehrlichkeit statt aufgeblasener Selbstdarstellung.

Eine diplomatische Überleitung könnte so lauten: „Ein besonders prägendes Beispiel stammt aus meiner Zeit im Hochschulprojekt, weil ich dort tatsächlich mehr Gestaltungsfreiheit hatte als in meiner bisherigen Anstellung – und das möchte ich in meiner nächsten Position bewusst weiter ausbauen." So wendest du einen potenziellen Schwachpunkt in eine glaubwürdige Zukunftsmotivation um.

Kategorie: erfahrung · Schwierigkeitsgrad: mittel